Christian Gruber

Nasrin heißt die junge Frau, die mir in unserer Ambulanz in Khorail gegenüber sitzt. Sie ist selbst noch halb Kind mit ihren 15 Jahren, auf ihrem Schoß ihr Baby, fiebernd und schwer atmend. Nasrin und ihr Kleinkind sind zwei von 70 PatientInnen, die unsere Slumambulanz täglich aufsuchen.


Wir arbeiten in Dhaka an vier verschiedenen Standorten. Unsere Schulgebäude werden dabei für die medizinische Arbeit mitbenutzt. Aufgrund unserer Arbeitszeiten am Vormittag sind es meist junge Frauen mit ihren Kindern sowie ältere Menschen, die unsere Hilfe suchen. Männer sind im Arbeitsleben beansprucht, ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Geld und letztendlich für deren Familien ein Tag ohne Essen.
Unser Headquarter mit zusätzlichen diagnostischen Möglichkeiten liegt in Manda, in unserem neu erbauten Trainingcenter. Dort ist auch unsere Ärztewohnung, sodass Kontrolluntersuchungen auch zwischendurch gut möglich sind.
Die Mitarbeit einheimischer Ärzte in unseren Projekten war in Zeiten von Corona aufgrund von Reisebeschränkungen eine notwendige Lösung. Mittlerweile ist daraus eine neue und nachhaltige Verbesserung unserer medizinischen Arbeit geworden. Die Ärzte aus Bangladesch ermöglichen mehr Kontinuität, sie gewährleisten die Vernetzung mit den lokalen Strukturen. So entfallen Sprachbarrieren und interkulturelle Missverständnisse. Wir arbeiten mit Übersetzern.


Oft ist das Hauptproblem unserer PatientInnen einfach fehlendes Wissen, nicht nur ihre materielle Armut. Der Kreislauf von Nicht-Wissen, Nichts-Haben und Nichts-Können setzt sich in dieser Gruppe unterprivilegierter Menschen über Generationen fort.
Daher ist eine wichtige Konsequenz unserer Arbeit Bildung! Bildung auf allen Ebenen. Im medizinischen Projekt ist es die verpflichtende Teilnahme an Schulungen vor jedem Arztkontakt. Es geht um wichtige Themen wie Trinkwasserhygiene und Latrinen, gesunde Ernährung, Empfängnisverhütung, Impfungen, Lesen und Schreiben lernen, u.v.m.
Eine weitere Maßnahme zur nachhaltigen Verbesserung dieser Lebenssituation sind unsere Schulprojekte. Bildung für die Kinder aus den Armenvierteln anstelle von Kinderarbeit. Aktuell gehen in Dhaka täglich fast 2.000 Kinder in unsere Schulen, inkludiert ist eine warme und gesunde Mahlzeit.


Unser medizinischer Anspruch bleibt weiterhin Armenmedizin. Noch immer gibt es eine große Zahl an Armen, die sich weder die ärztliche Behandlung noch die Kosten für Diagnostik und Medikamente leisten können. Die regelmäßige medikamentöse Dauertherapie, besonders für unsere vielen alten Menschen, versuchen wir kontinuierlich zu leisten.


Warum brauchen uns also viele dieser Menschen noch? Als Werner Waldmann 1989 startete, gehörten hungernde Kinder zum erschreckenden Alltag. Es hat sich, nicht zuletzt durch unsere Präsenz, viel verbessert. Dennoch bleibt in Bangladesch ein Teil der Menschen ohne adäquate Versorgung zurück. Diese Menschen sind es, um die wir uns weiter kümmern wollen.


Ihr Dr. Christian Gruber
Mitbegründer und Obmann Stellvertreter der Austrian Doctors

Wir unterstützen weltweit Projekte

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