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Mein Arzteinsatz in Dhaka - Ein Bericht von Gertrud

27.02.2025 | Bangladesch

Meine deutsche Kollegin und ich wurden gleich an diesem Wochenende eingeladen, an einem Workshop zu Kinderschutz teilzunehmen. Es war beeindruckend, wie engagiert alle MitarbeiterInnen der Schulen und des medizinischen Teams der Austrian Doctors an diesem brennenden Thema arbeiteten.

Sonntag – in Bangladesch ein Wochentag – begann dann unsere eigentliche Tätigkeit in der neu geschaffenen Ambulanz im Trainingcenter, einer Art Berufsschule, das erst vor 1,5 Jahren von den Austrian Doctors finanziert und errichtet wurde.

An den anderen Tagen brachte uns Rohman, unser Fahrer mit dem Team, dem Apotheker, dem Übersetzer und der Leiterin der Patientenorganisation, am Morgen in verschiedene Slums, wo wir in Schulen der Austrian Doctors unser Equipment auspackten. Von den wartenden Kindern, Frauen und Männern wurden wir schon sehnsüchtig erwartet.

Als Kinderärztin sollte ich mich in erster Linie um die Kleinen kümmern, aber oft ergab es sich eben anders. Viele litten an Hauterkrankungen, die aufgrund der schlechten Hygienebedingungen in den sehr beengten Wohnverhältnissen nur schwer endgültig zu beseitigen sind. Bronchitis, Asthma, Lungenentzündung sind bei extremer Luftverschmutzung in der 20 Millionen-Stadt keine Seltenheit.

Die Schicksale der Menschen im Slum sind geprägt von harter Arbeit oder noch schlimmer, Armut und Hunger. Rikschafahrer, Bauarbeiter, Fabriksarbeiterinnen litten oft an starken Schmerzen oder den Stress-Erkrankungen wie Hypertonie und Angina pectoris. Auch viele Diabetiker kamen zu uns, denn die nächste Diabetesklinik ist schwer zu erreichen. Auch gynäkologische Beratung, wie z.B. bei dringendem Kinderwunsch war gefragt.

Belastend waren für mich die unterernährten Kleinkinder und die stillenden Mütter, die manchmal nicht einmal genug zu essen hatten, um ihre Babys ausreichend zu stillen. Wir konnten zwar ihre akuten Infekte behandeln, aber nicht nachhaltig helfen. Und auch die alten Menschen, die als Bettler auf der Straße leben, berührten mich sehr.

In vielen Fällen waren weniger unsere Medikamente, als vielmehr ein gutes Gespräch wichtiger Teil unserer Behandlung. Die beiden einheimischen Ärzte, die meist gegen Mittag in unsere Ambulanzen kamen, arbeiten hauptberuflich im Krankenhaus und haben daher wenig Zeit für derartige Gespräche. Trotzdem konnten wir viel voneinander lernen.

Gleich in den ersten Tagen saß ein 15jähriges abgemagertes Mädchen mit ihrem Kleinkind weinend vor mir. Sie war im Alter von 13 Jahren verheiratet worden, der Mann hatte sie verlassen. Sie hatte nie eine Schule besucht, hatte keine Unterstützung und konnte kein Geld verdienen. Babul bot ihr Hilfe an, doch sie lehnte alles ab, weil der Mann versprochen hatte, zu ihr zurückzukehren. Wir waren den Tränen nahe.

Viele Kinder besuchen keine Schule oder brechen diese vorzeitig ab und haben damit wenig Chancen auf geregelte Arbeit. Dies und die weit verbreitete Armut und Mangelernährung ließen mich oft ratlos zurück.

Ist Bildung oder medizinische Hilfe wichtiger in diesem Land? Austrian Doctors hilft in beiden Bereichen.

Ich bin froh und dankbar, dass ich mit diesem Team arbeiten durfte. Vielleicht kann ich eines Tages wieder kommen.

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