Ärztin Irmgard über ihren Einsatz in Bangladesch

Manche Vorhaben benötigen viel Zeit bis sie endlich umgesetzt werden. So war es bei mir mit meinem Einsatz in Bangladesch.

Seit Studientagen immer wieder als ein „vielleicht einmal“ Projekt im Hinterstübchen, bei Veranstaltungen der „Ärzte für die Dritte Welt“ und später „Austrian Doctors“ wieder in Erinnerung gerufen… und schließlich als wirkliches Anliegen herangereift – so begann das Abenteuer Bangladesch für mich mit der Anmeldung, dem Einladungsbrief Babuls, dem Visumantrag konkrete Formen anzunehmen.

„Schaffe ich das überhaupt?“, „Fange ich mir eine Tropenkrankheit ein?“ Das waren für mich bange Fragen vor der Abreise. Wie gut, dass ich mich mit einigen KollegInnen, die schon einmal oder öfters in Bangladesch waren, austauschen konnte und meine Bedenken immer mehr der Vorfreude auf meinen Einsatz Platz machten.

Am 5. November war es endlich soweit, das Flugzeug landete in Dhaka, für Babul war es nicht schwer mich als einziges weißes Gesicht unter den ankommenden Menschenmassen auszumachen. Die herzliche Begrüßung durch Babuls Familie und die hilfsbereite freundliche Aufnahme im Ordinationsteam ermöglichten mir einen angenehmen Start in den Arbeitsalltag.
Dieser war überaus interessant und abwechslungsreich. Die „Mobile Clinic“ besucht täglich verschiedene Armenviertel. Die Fahrt zu diesen Standorten allein erzählt in vielen Facetten die für uns Europäer kaum vorstellbaren Lebensumstände in einer hoffnungslos übervölkerten Stadt. Lärm und Abfall allgegenwärtig. Unsere kleinen Gesundheitszentren mit angeschlossenen Schulen dagegen eine Insel der Sauberkeit, Ordnung und Motivation. Die Schulklassen befinden sich in allen Standorten gleich neben der Ordination, so konnte ich gelegentlich sowohl der täglichen Essensausgabe, als auch dem Schulunterricht beiwohnen. Es ist gerade Prüfungszeit und ich gewinne den Eindruck, dass sich die Kinder den Wert ihrer Bildung durchaus bewusst sind. Sie sind fröhlich, selbstbewusst und gut erzogen, einige – auch Mädchen- erzählen mir von ihren Berufswünschen.
Hier bekommt man eine ganz einfache und klare Antwort auf die manchmal gestellte Frage, ob unsere Unterstützung Sinn macht oder „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“ ist.

Als Ärztin lernt man die Menschen dieser Gebiete auf individueller Ebene kennen, viele Erkrankungen wären vermeidbar und sind auf die schwierigen Lebensbedingungen zurückzuführen.
Die Armenmedizin inmitten der Slums hilft Lücken zu schließen, die im öffentlichen Gesundheitssystem ganz offensichtlich noch vorhanden sind. Die Behandlung einer großflächigen Verbrennung einer Bettlerin ist aufwendig, führt aber schließlich zum Erfolg. Sie wäre im Krankenhaus weder aufgenommen worden noch geblieben….was wäre ohne unserer Hilfe aus ihr geworden?

Mit meinen lieben Wohnungskollegen Gerhard und Birgit, die einige Wochen im Trainingscenter als Computerexperten, Projektplaner und Englischlehrer tätig waren, erlebte ich in unserer Freizeit durchaus sehr schöne Stunden und Tage in einem wunderschönen Land – es gab aber auch vorübergehend „Hausarrest“ wegen politischen Unruhen, ein Erdbeben, das Gott sei Dank in unseren Standorten keine großen Schäden anrichtete und als größten Schock den Großbrand in Khorail.
Es grenzte an ein Wunder, dass dieser verheerende Brand ein paar Meter vor unserem Standort Halt machte. So konnte Babul , der Koordinator unseres Projektes in Bangladesch, ein Notprogramm starten, um den über Nacht obdachlos gewordenen Slumbewohnern, großteils den Familien unserer PatientInnen und SchülerInnen, Erste Hilfe in großer Not anzubieten. Einige Tage wurde in der Schule für 1500 Menschen gekocht. Beeindruckend war für mich die Geduld, Disziplin und Dankbarkeit dieser Menschen, die alles verloren hatten. Die SchülerInnen unserer Slumschule halfen bei der Organisation der Essensausgabe und man konnte „das Glück helfen zu können“ bei diesen jungen Menschen deutlich sehen und spüren. Anschließend organisierte Babul noch warme Decken und Zeltplanen für unsere Familien, um diese Jahreszeit ist es nachts schon empfindlich kalt.

Diese Tage werden für mich unvergesslich bleiben. Danke noch einmal allen SpenderInnen, die diese so notwendige Hilfe ermöglicht haben!
Ich bedanke mich für die warmherzige Gastfreundschaft des gesamten Teams in Dhaka, es war wirklich wunderschön Teil dieser Gemeinschaft zu sein und ich freue mich schon jetzt wieder zu kommen.

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