Ärzte helfen weltweit
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Frauenförderung in Entwicklungsländern
Frauenförderung in Entwicklungsländern

Mädchen und Frauen weltweit stärken

Die möglichen Wege, Mädchen und Frauen zu stärken, ihnen zu mehr Würde, mehr Rechten und mehr Mitsprache zu verhelfen, sind vielfältig. Da uns als ärztlicher Hilfs­organisation natur­gemäß die Gesund­heit der Frauen ganz besonders am Herzen liegt, sind Programme zur Schwanger­schafts­vorsorge und reproduktiven Gesundheit selbst­verständ­liche Bestand­teile unserer medi­zinischen Projekt­arbeit. Doch auch über die unmittelbar ärztliche Hilfe hinaus tun wir viel für die Gleichstellung der Geschlechter und die Ermächtigung von Frauen – so, wie es auch in Punkt fünf der 17 Ziele für nach­haltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) der Vereinten Nationen festge­schrieben ist.

Frauen in Entwicklungsländern fördern

Armut ist weiblich

„Frauen tragen die eine Hälfte des Himmels“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Tat­sächlich ist Gleich­berechtigung welt­weit für die meisten Frauen und Mädchen so weit entfernt von ihrer Lebens­realität wie der Himmel vom tiefsten Punkt der Ozeane. Sie er­leben in ihrem All­tag Be­nach­teiligung, Unter­drückung und Ab­lehnung in ver­schiedensten sozialen, kulturellen und religiösen Aus­ge­staltungen.

Mit dem Argu­ment, dass eine Toch­ter ohne­hin in eine andere Familie ein­heiraten wird und über kurz oder lang nicht mehr zum Brot­erwerb ihrer Her­kunfts­familie bei­tragen kann, bekommt sie in vielen Gesell­schafften von Ge­burt an von allem weniger als ein Sohn: Weniger Nahrung, weniger Bildung, weniger Zu­wendung. So wundert es nicht, dass welt­weit sieben von zehn Menschen, die in Armut leben, Frauen sind. Auch in unseren Projekt­regionen sind die Lebens­wege der meisten Mädchen und Frauen geprägt von Armut, Schul­ab­brüchen – wenn sie über­haupt jemals eine Schule besucht haben –, früher Ver­heiratung und Mutter­schaft.

Laut UNICEF leisten Frauen mit rund 66 Prozent den weit­aus größeren An­teil an der welt­weiten Arbeit – be­zahlte und unbe­zahlte – und können dabei nur lediglich zehn Prozent des Ein­kommens auf sich ver­einigen. Man kann sagen: Armut ist weiblich. Alle­rdings ist Ar­mut nicht nur Aus­druck geringen oder fehlenden Ein­kommens, sondern sie drückt sich auch aus in fehlender Würde, fehlenden Rechten und fehlenden Chancen auf gesell­schaftliche und politische Einfluss­möglichkeiten.

Frauen fördern

So helfen wir Mädchen und Frauen

Wir helfen Mädchen und Frauen in unseren Projekt­regionen auf vielfältige Weise – durch die direkte medi­zinische Arbeit sowie durch eng an unsere ärztliche Hilfe angebundenen Projekte. Letztere führen wir meist mit lokalen Partner­organisationen durch. Hier eine Übersicht:

  • grundsätzliche Ermutigung der Frauen, sich zu emanzipieren und ihre Zukunft aktiv zu gestalten
  • Schwanger­schaftsvorsorge-Programme
  • Geburtshilfe: „Half Way Home“ auf Mindoro und Kreißssal in Kilifi
  • Familienplanung: Aufklärung durch Gespräche im Rahmen der ärztlichen Arbeit oder durch entsprechend geschulte Mitarbeiterinnen sowie kostenfreie Heraus­gabe von Kontrazeptiva
  • Überweisung zu Kliniken, die medizinisch indizierte Abtreibungen vornehmen sowie medizinische Hilfe nach illegaler Abtreibung
  • Ausbildung einheimischer Gesundheitsarbeiter (80% sind Frauen) zur Stärkung der lokalen Gesundheitssysteme
  • Schulung besonders armer Mütter in gesundheits­relevanten Themen sowie einkommensschaffender Maßnahmen
  • in allen Projekten finden diverse Trainings für Frauen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten statt: Kochen, Nähen, Unterricht zu Hygiene, Gesund­heitsvorsorge, Frauenrechten, Klein­kreditvergabe
  • Stipendien für Mädchen: In Dhaka erhalten die 15 besten Schülerinnen einer Slumschule ein Stipendium; 2018 schafften die ersten drei Absolventinnen den Sprung aufs College und werden nun weitergefördert
  • Malisa Home: Schutzhaus für Mädchen und Frauen, die der Zwangsprostitution entkommen sind
  • Wecken eines Problem­bewusstseins für die Beschneidung weiblicher Genitalien

Besonders schön: Durch den Kontakt mit den German, Swiss und Austrian Doctors und die erfahrene Hilfe, haben viele ehemalige Patientinnen eine Ausbildung zur Kranken­schwester oder Gesund­heitsarbeiterin gemacht und stehen damit beruflich auf eigenen Beinen - so z.B. in unserem Tuberkulose-Krankenhaus St. Thomas Home in Kalkutta.

Familienhilfe

In unseren Schulungen lernen Mütter und Väter, wie mit geringen Mitteln eine aus­ge­wogene Er­nährung möglich ist. Dies ist ent­scheidend, um Unterernährung, insbesondere bei Kindern, vorzu­beugen. Zudem werden die Familien in Hygiene­­fragen geschult, so dass Erkrankungen vermieden werden können. Finanzieren Sie mit 5 Euro einen Schulungs­­workshop für eine Familie!

Frauenförderung

Frauen in Chitta­gong: selbst­bewusst, aktiv und respek­tiert

Nur Akter ist Präsidentin der Frauen­gemein­schaft des Community based Centers (CbC 1) der Austrian, Swiss und Austrian Doctors in Chittagong, Bangladesch. Mehr als 100 Frauen sind dort organisiert. Hier eine kurze Stellung­nahme von ihr:

„Ich bin in im Slum aufge­wachsen. Seit meiner Kind­heit habe ich Ge­walt gegen Frauen be­obachtet – auch Scheidungen, Kindes­miss­handlungen, Familien in existenziellen finanziellen Krisen, kranke Menschen, die keine medizinische Be­handlung be­kommen haben und starben. Als Kind konnte ich nichts dagegen tun, aber als 2011 Mit­arbeiter des neuen Community based Centers (CBC 1) in unseren Slum kamen und uns vor­schlugen, eine Frauen­gemein­schaft zu gründen, war ich die erste, die davon be­geistert war und die anderen motiviert hat. Zu Be­ginn war es nicht einfach, weil jede Frau sich einen direkten finanziellen Vor­teil von der Gemein­schaft er­wartet hat. Auch haben viele ver­mutet, dass ich mir als Präsidentin den größten Teil eines möglichen Ge­winns nehmen würde. Aber durch Ehr­lichkeit, Transparenz und Engagement konnte ich über­zeugen und schließ­lich haben mich alle als Leiterin akzeptiert.

Nur Akter, Präsidentin Frauengemeinschaft Chittagong

"Heute kann ich sagen: Wir haben viel erreicht. Die Frauen organisieren sich und sind sich ihrer sozio­ökonomischen Lage be­wusst. Sie sind respektierte und selbst­bewusste Familien­mitglieder, die Geld ver­dienen. Sie haben es sich ange­wöhnt, Er­sparnisse für die Zukunft zurück­zulegen oder so ein­zusetzen, dass sie daraus ein Ein­kommen generieren können. Sie wissen viel über Gesund­heit sowie Hygiene und ihre Kinder besuchen die Schule – was sie vor­her nie getan haben. Außer­dem wissen Heran­wachsende über re­produktive Gesund­heit Bescheid. Ich bin glück­lich, dass die Frauen meiner Gruppe selbst­bewusst und aktiv ge­worden sind. Früher waren sie schüchtern und haben sich unbe­haglich gefühlt, mit jemandem über ihr Leben zu sprechen. Heute können sie sich in jedem Forum mutig äußern und sich auf ver­schiedenen Ebenen ver­netzen, um ihre Rechte durch­zusetzen.“

Nur Akter
ist Präsidentin der Frauen­gemein­schaft des Community based Centers in Chittagong

 

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